18. Januar 2024, Gießen

Weidewelt-Mitglied Stephan Kannwischer verstorben

 

Am 18. Januar verstarb unser Mitglied Stephan Kannwischer mit 59 Jahren an den unerwarteten Folgen eines "Routineeingriffs". Am 09. Februar wurde er unter großer Anteilnahme (fast 400 Trauergäste) beigesetzt.

 

Mit 16 Jahren gründete er die Ortsgruppe Inheiden im Naturschutzbund Deutschland. Später ging dieser im Nabu Horlofftal auf, dessen Vorstandssprecher der wortgewandte Kannwischer lange Zeit war. Auch im Kreisverband Gießen wurde er aktiv, war dort einige Jahre Vorsitzender. Kannwischer habe globales und lokales Handeln verbunden, schreibt der Verband in seinem Nachruf: »Jeder im mittelhessischen Naturschutz kannte ihn. Er hatte oft geniale, teils auch überraschende Ideen, denen man nicht immer sogleich folgen wollte oder konnte. Diese waren aber oft wohldurchdacht. Kannwischer war ein Idealist.« So habe er sich gegen zu intensive Landwirtschaft eingesetzt, obwohl er selbst Landwirt war. Beim Nabu Horlofftal galt er als einer derer, die vorangingen und Dinge initiierte. Auch bei den Hungener Grünen war er zehn Jahre kommunalpolitisch aktiv.

 

Kannwischer habe „als geschickter Netzwerker Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammengebracht und sie motiviert, sich mit ihm zusammen für den Erhalt der Natur und den Schutz des Klimas einzusetzen – mit kreativen und überraschenden Ideen“. „Stephan erkannte Entwicklungen und setzte sich dafür ein, lange bevor andere darüber nachdachten. Viele seiner Anliegen werden uns in wenigen Jahren als selbstverständlich vorkommen. Doch erst durch die Erkenntnis wächst der Wille, Irrtümer zu korrigieren. Stephan war ein Vorreiter, der mit unerschütterlichem Engagement für den Erhalt von Natur und Klima kämpfte. Wir verlieren einen klugen, kritischen Geist, voller Ideen und Projekte, kämpferisch, streitbar und beharrlich – oftmals unverstanden und einseitig bewertet. Ein besonderer Mensch geht für immer. Seine Ideale aber bleiben und für seine Anliegen werden wir uns weiter engagieren“, heißt es im Nachruf.

 

Stefan Kannwischer war nicht nur Naturschützer, sondern auch Tierhalter. In dieser Eigenschaft kam er auch zu Weidewelt. Er hielt nicht nur Schafe und Ziegen zur Pflege von Magerrasen, sondern auch Rinder, mit denen er Feuchtwiesen und Naturschutzgebiete beweidete. Auch die vorübergehend von Weidewelt angeschafften 6 Rinder der Rasse "Rotes Höhenvieh" zur Pflege des überregional bedeutsamen Vogelschutzgebiets "Bingenheimer Ried" wurden von Stefan Kannwischer betreut.

 

 

Stephan Kannwischer (hinten) beim Entladen der Roten Rinder im Bingenheimer Ried im Jahr 2009

Im Jahr 2020 hielt Stephan Kannwischer eine bewegende Abschiedsrede auf unser ebenfalls viel zu früh verstorbenes Mitglied, den Botaniker Wolfgang Wagner.


15. Februar 2024, Online

Tiere der Streuobstwiese

 

Über 300 Personen aus ganz Deutschland nahmen an diesem Webinar teil, darunter auch Weidewelt-Mitglieder.